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Herbstmelancholie

Es ist Herbst, die Bäume strippen und stehen nackt herum. Manchmal verdeckt eine feuchte graue Nebelsuppe ihre bloße Scham. Bin ich eine Blume oder warum welke ich im Herbst. Die Nächte sind lang, das Bier schmeckt schal. Man mummt sich in Omas Strickweste und meterlangen Wollschals ein. Schwarze Halbmonde malen sich von selbst unter die Augen. Insomnie, meine liebe Freundin schläft neben mir im Bett. Ich liebe es zu rauchen, rauchen ist wie vergessen. Streichholz an, Schwefelgeruch, der Rauch versteckt die Scheiße. Zigaretten halten mich am leben, bis ich verlösche. Ein bisschen Appetit auf Selbstzerstörung. Ich denke zu viel. Ich denke vor. Ich denke dahinter. Ich denke, seitwärts. Ich denke alles. Wenn es etwas gibt dann habe ich daran gedacht. Existenz, was bedeutet das, ich existiere unter den besten Bedienungen ich kann. Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber ich stehe morgens auf, such mir Strümpfe die noch halbwegs ohne Laufmaschen sind, schlüpf in einen Rock und zieh mir einen Norwegerpulli über den Kopf, dann denke ich Jesus Christus, was jetzt? Ich habe die Wahl zwischen ständig aktiv und glücklich oder absonderlich passiv und traurig zu sein. Oder ich werde verrückt weil ich desorientiert dazwischen pendle. Ich bin rastlos. Dinge rufen mich weg. Die Sterne ziehen an meinen Haaren. Ich bin wie der Mond, ein Teil von mir ist immer versteckt. Ich will leben und alle Schattierungen und Variationen der geistigen und körperlichen Erfahrungen fühlen. Und ich bin furchtbar begrenzt. In unserer Welt scheint die Oberflächlichkeit der Dinge erheblich wichtiger zu sein als ihre Substanz. Man hat perfekt zu sein, sich weltgewandt, kultiviert, blasiert und erwachsen zu benehmen. Weißt du, was ich brauche? In die Berge zu fliehen, umgeben von hohen Bäumen, im Moos zu liegen, und den Duft von Pilzen, Blumen und nassem Erdboden einzusaugen. Es ist so viel sicherer nicht zu fühlen, sich nicht von der Welt berühren zu lassen. Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier.

Wie Nietzsche schon so schön sagte, ich bin ein Wald und eine Nacht der dunklen Bäume, und jene die keine Angst vor meiner Dunkelheit empfinden, werden Rosenhaine unter meinen Zypressen entdecken.

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Schweinderl